Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) zur Rolle von Schulen und Kindertagesstätten in der COVID-19 Pandemie

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Written by schau

22. Januar 2021 at 00:40

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Kommt das Nachdenken in die Öffentlichkeit zurück?

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Stimmen für eine Ausweitung der Denkzone in der Coronapolitik-Krise

Heute morgen, am Sonntag in der Frühe, waren Töne im Deutschlandfunk zu hören, wie sie in den vergangenen Monaten wohl nicht zu vernehmen waren. In der Sendung „Information und Musik“, sicherlich ein Nischenplatz und nicht der Sendeplatz, der ein großes Publikum hat, gab es gleich zwei Interviews, die eine Idee davon vermittelten, was öffentlicher Rundfunk leisten könnte – wenn er sich entscheidet mehr zu sein als Propaganda (siehe vorigen Beitrag).

Kalbitzer plädierte auch dafür, in der Coronakrise die Expertise von Verhaltensökonomen, Sozialpsychologen und Epidemiologen stärker einzubeziehen. Allein auf die Empfehlungen der Virologen zu setzen, hält er für falsch. Man müsse die Erkrankung sehr ernst nehmen, doch die Bevölkerung kämpfe mittlerweile mit soziologischen und epidemiologischen Problemen. „Da fehlen uns Experten“, kritisiert der Psychologe und Psychiater. Hier sieht er auch Journalisten in der Verantwortung. Zu selten würden Menschen befragt, die sich damit auskennen, wie man eine Bevölkerung durch eine Krise navigiert. Im Fokus stünden viel zu sehr die Virologen.

Es lohnt sich, sich das ganze Interview anzuhören. Die Zusammenfassung, aus der das obige Zitat stammt, scheint mir den Tenor nicht vollständig wiederzugeben.

Ebenfalls einen neuen Ton hört man aus dem Interview mit dem Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Universität Kiel heraus. Leider nicht auf der Aufmacherseite der Website des DLF erwähnt.

Written by schau

17. Januar 2021 at 17:17

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Die Allgegenwärtigkeit von Propaganda – Edward Bernay und die Psychologie der Manipulation

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Wie sollen psychologische Erkenntnisse genutzt und verwertet werden? In unserem Bewustsein und Hoffen mögen wir glauben, dass sie uns reifer und unabhängiger machen mögen. Man möchte glauben, dass sie der Emanzipation der Menschen, ihrer Urteils- und Handlungsfähigkeit dienen solle. Aber dient sie der Mündigwerdung? Oder geht „die“ Psychologie, die die heute verwendet und in Organisationen gebraucht wird, nicht von einem Menschenbild aus, dass seine Unmündigkeit als Geburtsfehler voraussetzt und daraus ableitet, dass Menschen geführt und betreut werden müssen und sollten? Viele Kolleginnen und Kollegen gehen davon aus, dass es so oder ähnlich ist. Sie verstehen ihren Humanismus so, dass sie die Gescheiterten, Zweifelnden, Fragenden, Verzweifelten wohlwollend und wissend als Ahnunglose betrachten und sich selbst als verantwortungsvolle Führer’innen. Sie bespielen die Herde aus einer Grundhaltung der Rechtschaffenheit mit einem Anspruch, der sich in der Regel einer Kritik nicht stellen muss. Sie fügen sich in herrschaftliche Ambitionen ein, ohne dass sie ans Licht kämen.

Lenkung und Steuerung sind in diesem Welt- und Menschenbild notwendig, also auch verschiedene Formen des Autoritarismus. Psychologie ist fest in die Organisierung von Gesellschaften in diesem Sinne integriert. Und damit auch in ein Konzept der Propaganda – was sich wohl die wenigsten klarmachen.

Propaganda als zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft ist uns nicht so präsent. Propaganda betreiben die anderen. Das es so nicht ist, zeigt anschaulich ein Feature im Deutschlandfunk über Edward Bernay. Der Rückblick in die 20er und 30er Jahre erleichtert es, Propaganda heute aufzuspüren. Propaganda war ein von Bernay selbst benutzter Begriff, der sich aber im Zuge der Nazipropaganda verschlissen hatte. Man kam dann auf die Idee das Ganze „Public-Relations“ zu nennen.

Das Feature kann unter dem genannten Link nachgehört werden. Das Manuskript kann man sich vom Deutschlandfunk schicken lassen (leider ist es bis heute nicht im Netz zugänglich).

Written by schau

17. Januar 2021 at 16:42

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Das geistige Erbe von Organisationen und Personen

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Gründungsmotive als Leitlinie der Gegenwart

Die ursprünglichen Gründungsmotive sind nicht selten die Triebkraft und Leitbild von Organisationen und Institutionen – selbst dann, wenn schon mehrere Epochen von dem Anschein nach neuen Einflüssen über sie hinweggegangen sind. Ich habe das im Zusammenhang mit Schulpsychologie und Schule (einschließlich ihrer Verwaltung und politischen Nutzung) häufiger zu zeigen versucht (siehe auch rechte Spalte im Blog).

Misslungene Neuanfänge

Was einen Blick in die Geschichte und die Tradition einer Institution oder Organisation (oder auf ihren Namensgeber) erschwert oder unmöglich macht, ist in aller Regel die Behauptung, man sei doch heute an einem ganz anderen Punkt, die Welt sei eine ganz und gar andere, man arbeite modern und evidenzbasiert usw. Man kann zur „Widerlegung“ eine Reihe von prominenten erfolgreichen oder wohltätigen Menschen anführen, deren angebliche Unbescholtenheit für sich sprechen soll. Ist man bereit, den Vorhang der guten Taten und der kompletten Differenz einmal beiseite zu ziehen, könnte sich allerdings zeigen, dass es zwischen früher und heute Verwandtschaftlichkeiten gibt, handlungsleitende Wahrnehmungs- und Denkmuster, die damals wie heute wirken.

Der Kontext ist wichtig

Robert Koch, nach dem das uns allen bekannte Institut benannt ist, war nicht nur erfolgreicher Wissenschaftler, angetrieben vom Ehrgeiz, Menschen zu helfen. Er handelte immer auch im Kontext der Kolonialmedizin. Ihr ging es darum, den afrikanischen Kontinent mit seinen Menschen und Naturschätzen auszubeuten und beherrschbar zu machen. Menschenversuche in Afrika sollten helfen, den Menschen in Deutschland und Europa Gesundheit und Überleben zu sichern, wie es in einem Feature von Julia Amberger heißt.

Die Frage nach dem Zweck

Was macht sich das RKI von ihrem Namensgeber zu eigen, welche Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit sind handlungsleitend? Und welche nicht? Haben sie mit einer Tradition zu tun, wesentlich auf Pharmazie, auf eine „industrielle Produktion von Gesundheit“ zu setzen – und wenn ja: für welchen Zweck? Und nicht zuletzt: Welche Rolle spielt die Staatsnähe für das, was das RKI erforscht und verlautbart (und was nicht)?

Die Geschichte des Namesgebers des RKI wurde und wird nicht aktiv beforscht und aufgearbeitet, auch nicht etwa von der staatlich subventionierten Medizingeschichte, wie Werner Rügemer feststellt. Koloniale Zustände scheinen sich bei der Auswahl der Versuchspersonen für einen Impfstoff und für die schließliche Nutzung zu wiederholen, wie Emran Feroz in einem Artikel mit anderem Schwerpunkt schreibt.

Koloniale Verhältnisse neu aufgelegt, nach innen mit einem mit Verordnungen regierenden Staat, ohne auf die Schäden zu achten, und nach außen mit einer Privilegierung pharmazeutischer und digitaler Interessen, samt Versuchspersonen in fernen und wirtschaftlich schwachen/geschwächten Ländern?

Der Verweis auf Wohltätigkeit, Modernität und Humanität von Institutionen scheint ein guter Hinweis darauf zu sein, dass es einen Bedarf an Aufarbeitung von Traditionslinien geben könnte.

Written by schau

6. Januar 2021 at 15:21

Weitere Verschlechterungen für Kinder und Jugendliche durch Corona-Maßnahmen

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Zahlen, Daten, Fakten zur Lage

Schule stellt in den Maßnahmen der Regierungen im Wesentlichen ein Mittel zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft dar. Kinder und Jugendliche als Menschen mit eigenen Hoffnungen und Ansprüchen kommen kaum vor. Das belegt Michael Klundt in einem Interview mit den Nachdenkseiten.

Die regierungsfrommen Lockdown- und Maßnahmen-Verteidiger sollten zumindest Wirkungen, Nebenwirkungen und Kollateralschäden in einem evidenzbasierten Prüf- und Abwägeverfahren ins Verhältnis setzen. Wenn selbst regierungsnahe Studien zur Übersterblichkeit in den USA und in Deutschland herausfinden, dass „nur“ die Hälfte davon auf Corona zurückzuführen sei, aber die andere Hälfte schlicht der Nicht-Behandlung anderer Krankheiten (Herz-Kreislauf, Krebs usw.) geschuldet ist, so zeigt dies doch, dass die Söder-Parole „Wir retten jedes Leben!“, die sich überhaupt nicht mit Folgen und Nebenwirkungen auseinandersetzt, dazu jedenfalls nicht ausreicht.

Der zweite Teil des Interviews ist gerade erschienen

Hier eine Stellungnahme von Michael Klundt zur Kinderarmut.

Written by schau

30. Dezember 2020 at 12:02

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Jugendliche ohne Wohnung besonders gefährdet

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Auf eine gefährdete Gruppe weist eine Petition hin, die hier gelesen und unterschrieben werden kann.

Written by schau

22. Dezember 2020 at 18:16

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Ein Kurs: Methoden und Statistik

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Was bedeuten die fantastischen 95 Prozent Wirksamkeit von Impfstoffen?

Was sich so großartig anhört, sagt wenig bis nichts über den individuellen Nutzen einer Impfung aus. Wie viele Menschen müssen geimpft sein, damit eine Person geschützt ist?

Interessante Fragen und noch interessantere Antworten liefert das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, das hier üblicherweise nicht so häufig zitiert wird.

Written by schau

21. Dezember 2020 at 11:48

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Psychische Folgen II

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Wer sich weiter mit den Folgen der Corona-Politik auseinandersetzen möchte, findet hier vermutlich „Futter“. Es handelt sich zum Einen um einen Beitrag von Ulrich Teusch, auf den ich schon gestern hingewiesen habe. Er verdient es aber, separat erwähnt zu werden. Unter anderem geht es darum, ob und unter welchen Gesichtspunkten es „erlaubt“ ist, heutige Entwicklungen mit früheren zu vergleichen. Vielleicht sollten wir genauer hinschauen, was Protagonisten gemeint haben könnten und ihnen nicht sofort moralisch kommen?

Ich glaube, das darf man nicht. Ich vermute vielmehr, dass Jana etwas ganz anderes im Sinn hatte. Sie wollte zum Ausdruck bringen, dass sie nunmehr – nach mehrmonatigen Erfahrungen mit einem repressiven Maßnahmenstaat – besser nachempfinden könne, wie es damals Sophie Scholl zumute gewesen sein muss. Jana glaubte jetzt zu verstehen, wie es sich „anfühlt“, unter permanentem Druck, in Unsicherheit und Angst zu leben.

Zum anderen geht es um einen Beitrag von Roland Rottenfußer:

Wir müssen verstehen, warum wir leiden, und dass in aller Regel nicht wir selbst dafür verantwortlich sind. Wenn wir das diffuse Unbehagen, das uns in diesen Tagen ergreift, aufschlüsseln und besser zu verstehen lernen, finden wir auch Wege, damit es uns besser geht.

Written by schau

20. Dezember 2020 at 16:28

Psychische Gesundheit durch Corona-Maßnahmen gefährdet

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Nebenwirkungen als Hauptwirkung

Die Zahlen der Versterbenden entsprechen denjenigen der Vorjahre. Das ist verstörend. Zum einen, weil es in den vergangenen Jahren nicht die Sorgen der Politik gab, wie sie sie uns in diesen Wochen darstellt. Dieses Sterben war in den normalen Gang der Dinge einsortiert (ich will nicht sagen, dass das in Ordnung war). Zum anderen, weil aus den vergangenen Jahren und aus den letzten neun Monaten der Pandemie nicht das gelernt wurde, was man hätte lernen können. Und man hätte viel aus den Übungen der letzten Jahre lernen können, die staatliche Stellen, Konzerne und Gesundheitsorganisationen veranstalteten – aus welchen Motiven auch immer. Szenarien einer Pandemie wurden teilweise so durchgespielt, wie sie sich nun ereignen. Man mag nicht glauben, dass es einen entsprechenden Plan gegeben haben sollte. Man muss aber fragen: Wie konnte das passieren, was wir jetzt erleben, wenn es keine Absicht war? Welche Strukturen haben das ermöglicht oder herbeigeführt?

Gesundheit über alles? – Doch Menschen werden beschädigt

Wir hören sehr viel davon, dass Gesundheit über allem stehe, und dass es das sei, was die Regierenden antreibe. Aber was seit Langem bekannt ist, findet nach neun Monaten Pandemieerfahrung noch immer keinen Niederschlag: Der Schutz der am meisten Gefährdeten ist löchrig. Und ebenso findet kaum Beachtung in der Maßnahmenplanung, dass die Art und Weise der Lebensrettung per Lockdown, Ausgrenzung von Kritiker’inne’n u.ä.m. viele Menschen beschädigt und wohl auch Leben kostet.

Eine öffentliche Risikoabwägung,

die die Menschen in die Urteilsbildung einbezieht und damit auch vertrauensbildend wäre, findet nicht statt. Wie tief muss die Sackgasse sein, dass Regierende sich nicht zu der Erkenntnis durchringen können, dass nun endlich die Kräfte auf den Schutz der Verletzlichen konzentriert werden müssen? Und dass ansonsten eine maßvolle Politik der Einschränkungen und Rücksichtnahme vonnöten ist. Aber nicht eine Außerkraftsetzung von Parlament, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit. Und dass der ganze Mensch mit den psychischen und sozialen Aspekten seiner Existenz in die Abwägungen einbezogen werden muss?

Das Gesundheits- und Altenpflegesystem samt der in ihnen arbeitenden Menschen wurde nicht gestärkt, die schon immer zu niedrigen Intensivbettenzahlen wurden de-facto wegen Personalmangels um weitere 3000 reduziert. Nicht auszuschließen ist, dass im Kontext einer auf Profit und Marktrentabilität angelegten Gesundheitspolitik und -praxis es zu ökonomischen Fehlanreizen – etwa hinsichtlich des Freihaltens von Betten oder der Belegung mit Covid-Patient’inn’en (Prämien) kommt. Nicht einmal ein Moratorium für die Empfehlungen von Bertelsmann-Stiftung und Leopoldina, Krankenhäuser zu schließen, gibt es. Es scheint stramm daran gearbeitet zu werden, dass es so wie es ist, am besten ist – alternativlos.

Systematische Missachtung von Beziehungsarbeit

Was in der Politik keine erkennbare Rolle spielt, ist die Tatsache, dass menschliche Existenz an Bindung und Beziehung gebunden ist. Offenbar sind Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen im Zuge der marktkonformen Ausrichtung von Mensch und Gesellschaft verloren gegangen. Stattdessen scheint eine Sicht vorzuherrschen, die daraus besteht, in Menschen eine Funktion der Steuerungsabsichten der Oberen zu sehen. Das lässt mich fürchten, dass wir uns schrittweise in Richtung eines offen Menschen verachtenden Regimes entwickeln, in dem sie nichts mehr wert sind.

Dünne Fäden reißen

Die Behinderung der Arbeit von Personen und Organisationen, die Beziehungsarbeit leisten, bleibt nicht ohne Folgen. Berichtet wird in der FAZ eine enorme Steigerung psychischer Erkrankungen und Überlastungen. Viele Menschen haben durch den Wegfall von Beziehungsarbeit ihren Halt und ihre Stabilität verloren. Schon unter „normalen“ Vor-Corona-Bedingungen hingen diese am seidenen Faden. Eine Situation, die von der gewählten Politik so konzipiert war und gesellschaftlich mindestens hingenommen wurde. Gerade auch in dieser dem Anschein nach effizienten, tatsächlich aber in vielerlei Hinsicht auszehrenden Politik dürften tiefere Gründe für die heutige Krise liegen. Und diese ist nicht nur eine Virus-Krise, sondern eine politische.

Grenzüberschreitungen und Auszehrung

Gerade an die Grenzen und wenn möglich immer ein wenig darüber hinauszugehen und daraus einen kurzfristigen Nutzen zu ziehen, zeugt nicht von Weitsichtigkeit, ist aber Politik der vergangenen Jahrzehnte. Die Formierung der Gesellschaft und ihrer Individuen unter das Diktat der ökonomischen Rationalität, deren Abtrennung von menschlichen Existenzgrundlagen, hat Charaktere auf entscheidenden Leitungsebenen erzeugt, die im Menschen eine Funktion und ein Objekt sehen. Rührt sich da noch so etwas wie Eigenleben, Anspruch auf Urteilsfähigkeit und Aufklärung, wird das zu einer Störung, die es auszumerzen gilt.
Angesichts der Schäden für die Psyche vieler Menschen, die die Corona-Maßnahmen erzeugen und die im FAZ-Bericht oder auch hier deutlich werden, muss die Frage diskutiert werden, was uns und der Politik psychische Gesundheit wert ist. So wie dieses Thema zurzeit behandelt wird, muss man befürchten, das sie abgetan werden, wie in Kriegs- und Nachkriegszeiten Traumata „vergessen“ oder verharmlost wurden. So wie über die Spätfolgen einer Virus-Erkrankung geredet wird, müssen wir auch über Spätfolgen auf mentaler Ebene reden und nachdenken.

Schule

Es ist schwer, ein einigermaßen verlässliches Bild über die Folgen der Corona-Politik in Schule zu gewinnen, vor allem, wenn sie über die fehlende Ausstattung mit Computern etc. hinausgehen. Die Folgen dürften gravierender sein als Politik und Medien wahrhaben möchten. Die Turbulenzen finden ja nicht in einem kurzen überschaubaren Zeitraum statt. Sie stellen eine Dauerbelastung dar, die abschwellen und Hoffnung auf Besserung aufkommen lassen kann, aber auch wieder in Frustration übergehen kann, wenn neue „Flexibilität“ gefordert ist .
Allein schon, dass Planungen kaum noch möglich sind, sorgt für Belastungen, die an die Substanz gehen können, je nach personellen und materiellen Ressourcen, die zur Verfügung stehen. Wer Zeit- und materielle Polster hat, kann sich leichter umstellen als derjenige, der sie nicht hat. Und gerade dort, wo Wohnraum knapp ist, dass Familieneinkommen und Unterstützungszahlungen gering sind, wachsen die Spannungen und Belastungen. Auch hier, wo, schon immer politisch gewollt, die Verknappung als Erziehungs- und Drangsalierungsmittel eingesetzt wurde, reißen leicht die Fäden, wie in der therapeutischen und Beratungsarbeit. Sind die Folgen beabsichtigt und haben sie einen verborgenen Sinn? Etwa denjenigen, dass sie die Ausgrenzung von „Überflüssigen“ den Starken und Herrschenden nutzen? (Etwa in dem Sinne, wie man sich fragen kann, ob die Frage der Chancengleichheit jemals ernsthaft thematisiert wurde, wenn man in Betracht zieht, dass die soziale Herkunft immer noch über den Bildungserfolg entscheidet).

Wechselseitige Erwartungen und Frustrationen


Erwartungen von Unterstützung und Mitarbeit von Schulen und Lehrkräften stoßen auf Eltern, die selbst am Rande der Überforderung stehen und ihrerseits Unterstützung und Entgegenkommen erwarten. Lehrer’innen sind unterschiedlich gewohnt, gewillt und in der Lage, Umstellungen für den Unterricht vorzunehmen. Und das wiederum hängt von organisationellen und institutionellen Verfasstheiten der Schule(n) ab. Tatsächlich oder vermeintlich sehen sie Handlungsräume eingegrenzt, sehen sich für Entscheidungen nicht zuständig oder können tatsächlich einzelne Vorschläge in ihren Rückwirkungen auf das System nicht abschätzen oder verantworten und können sich nicht eindeutig gegenüber Eltern und Schüler’inne’n verhalten.

Entlastungsmöglichkeiten fallen weg


Supervision für Lehrer’innen und Leitungsmitgliedern wird unter Corona-Bedingungen zum Luxus, obwohl sich doch gerade durch Reflexion und Orientierung und Handlungsfähigkeit gewinnen lassen. Es kommt zu Terminabsagen, zu neuen Vereinbarungen, die aber ebenfalls sehr fragil sind.
So erhält die Vorstellung von der Schule als bürokratisches Monster neue Nahrung, was einlädt zum üblichen Bashing und wohlfeilen Forderungen, dass man ein anderes Regime (Wirtschaft, des Zentralismus oder des starken Mannes) brauche. Erlösungshoffnungen.

Wie wollen wir leben?


Ausgangspunkt der Überlegungen hier war, dass die psychischen und mentalen Schäden und Verletzungen, wie sie durch die Corona-Maßnahmen hervorgerufen und in Kauf genommen werden, in der Abwägung von Risiken und Nebenwirkungen keine Rolle spielen, obwohl sie deutlich sich in die Alltagserfahrungen einschreiben. Es wäre nützlich die Kolleg’inn’en würden die Folgen für den Beratungsalltag dokumentieren, sie in Berufsverbänden diskutieren und einer Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Zweifellos geht es dabei nicht allein darum psychische Schäden zu vermeiden. Es geht auch darum, dass mit diesen Themen darüber entschieden wird, in welcher Art Gesellschaft wir leben werden.

Written by schau

19. Dezember 2020 at 19:32

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Schlamperei/Kalkül nach Zahlen

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Passend zum vorangehenden Beitrag ist dieser hier

Doch warum wird immanent gedacht, die harmlose Zahl der gleichbleibenden belegten Betten nicht genannt? Liegt es an der Lust an der Panik durch das Divi-Zentralregister, das jetzt Politik spielt und sich ohne jedes politische Mandat, ohne jede demokratische Legitimation zum Gesundheitsdiktator aufschwingt oder wie jetzt “Intensivmediziner” wie Prof. Uwe Janssens, Präsident des Divi Zentralregisters, schamlos und brutal autoritärste Maßnahmen einfordern? Warum schweigt dieser Mann zum Versagen der deutschen Krankenhäuser, ausreichend viele Intensivbetten so wie im August 2020 bereitzuhalten? Warum schweigt er dazu, dass laut Divi-Register die Zahl der Intensivpatienten am 21. August oder am 17. September fast genauso niedrig war wie am 10. Dezember 2020?

Diese Fragen sollten wir allen stellen, die vor lauter Schreck bereit sind, den Kopf in den Sand zu stecken

Written by schau

11. Dezember 2020 at 17:52

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