Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Archive for the ‘Allgemeines’ Category

Aufsatz zur Multiprofessionalität erschienen

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Multiprofessionalität in der schulischen Beratungsarbeit ist wenig erforscht und evaluiert. Dennoch ist sie en vogue; sie wird als unausweichlich und unverzichtbar für höhere Qualität und Effizienz angesehen. Die Forderungen und Bereitschaften ergeben sich aus einer Melange staatlicher Steuerungsabsichten und aus Hoffnungen auf erhöhte Qualität, Abbau von Überforderung und aus Hoffnung auf – irgendwie – mehr Humanisierung. Die in diesem Aufsatz angestellten Überlegungen können allerdings zeigen, dass Multiprofessionalität unter den gegebenen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Mensch und Gesellschaft die anvisierten Verbesserungen in ihr Gegenteil verkehren können oder doch zumindest trügerisch sind.
Die Forderungen nach „mehr Multiprofessionalität“ wirken stichhaltig. Sind wir doch davon überzeugt, dass Problemlagen heute so komplex sind, dass sie den Einzelnen oder die Einzelne mit den spezialisierten Ausbildungen und Rollenzuschreibungen überfordern. Zudem sprechen solche Forderungen die Bedürfnisse nach Kooperation und Gemeinschaftlichkeit an. So gesehen könnte man glauben, die Forderung sei einem emanzipatorischen Geist entsprungen.

Der Artikel erschien im Handbuch der Schulberatung der mgo-fachverlage

Written by schau

22. Juli 2020 at 10:29

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Sind (Schul-) Kinder systemrelevant?

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Ein Mantra der angeblich wissens- und wissenschaftsbasierten (Schul-) Politik ist, dass sie Evidenz für sich in Anspruch nimmt.

Evidenz bezeichnet das dem Augenschein nach unbezweifelbar Erkennbare oder die unmittelbare, mit besonderem Wahrheitsanspruch auftretende vollständige Einsicht.

heißt es bei Wikipedia.

In anderen Zusammenhängen werden Evidenz und Evidenzbasiertheit in dem Sinne verstanden, dass es Belege und Beweise für ein Handeln gibt.

Dass in der Bildungsrepublik Deutschland während der Corona-Krise danach gehandelt wurde, darf bezweifelt werden. Einige Argumente und weiterführdende Links finden sich hier.

Written by schau

24. Juni 2020 at 11:15

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Gewissensfragen der Schulpsychologie und Schulberatung

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Wie überholt ist das denn? Oder ist es überfällig,

sich damit zu befassen?

Ich habe mich mit dem Thema befasst. Ein Aufsatz dazu ist erschienen. Ich beschreibe eine Lage zwischen Lethargie und Unbehagen, in der sich Schulpsycholog’inn’en und Schulberater’innen befinden. Ich weise auf tatsächliche Einschränkungen beraterischer Praxis und Konzepte hin und auf die hohen ethischen Ansprüche, mit denen Berufsverbände Schulpsychologie versehen. Fremd- und Selbstbeschränkungen im beruflichen Handeln drohen ethische Ansprüche zur Fiktion werden zu lassen und werfen Gewissensfragen auf.

Die Themen des Aufsatzes sind unter anderem

Vermessung der Persönlichkeit

Resilienz und Emotionsregulation

Wissenschaftliche Neutralität und Gesellschaftsblindheit

die Umsetzung von Inklusion

und andere mehr. Der Aufsatz ist im Handbuch der Schulberatung bei mgo-fachverlage erschienen. Das Handbuch präsentiert ein breites Spektrum schulberaterischer Praxis.

101 Jahre Weimarer Schulkompromiss

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Interessante Entwicklungslinien von 1919 bis in die 2020er Jahre

Vor einigen Tagen machte sich ein Kollege »Gedanken zum Schulsystem in Deutschland«. Seine Hauptthemen waren einige Inkonsistenzen der Schule zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die sich subversiv störend und irritierend auf Lernen und Unterrichten auswirken. Es lohnte sich, darüber eine Debatte zu führen. Ich will hier nur einen Aspekt herausgreifen.

Das derzeitige Schulsystem basiert im Wesentlichen auf preußischen Denk- und Organisationsstrukturen. In gut gemeinter Absicht wurde 1919 die allgemeine Schulpflicht durch die Weimarer Verfassung eingeführt, was damals eine sozialpolitisch wegweisende Entscheidung gewesen ist. Beibehalten wurden hingegen die „preußischen“ Organisationsstrukturen, die autoritär und streng hierarchisch waren. Sie basieren vor allem auf dem Prinzip von Befehl bzw. Anweisung (vgl. Gesetze, Erlasse) und Gehorsam bzw. Umsetzung.

In der Tat wurden 1919 die Weichen für ein Schulsystem gestellt, das wir in wesentlichen Zügen noch heute haben und das uns immer noch zu schaffen macht.

Wie ist das möglich nach zwei Weltkriegen, die eng mit einem reaktionären, nationalistischen und militaristischen Vorlauf verknüpft waren? Und wie ist es möglich, dass im Schul- und Bildungssystem sich undemokratische, integrations- und partizipationsfeindliche Strukturen und Traditionen nach diesen Erfahrungen halten konnten?

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Es geht weiter – zumindest etwas

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Hier war es eine Zeitlang sehr ruhig. Kein Wunder, gab es doch anderes zu tun als diesen Blog aktuell zu halten. Zwei Aufsätze sind in den letzten Monaten entstanden, die einen schulpsychologischen und schulberaterischen Bezug haben. Das werde ich noch in einem eigenen Post bedenken. (Es gibt aber noch andere Beschäftigungsmöglichkeiten, die Zeit kosten.)

Tatsächlich versiegt für mich als Ehemaligen die Quelle der unmittelbaren Erfahrung, um das eine oder andere Thema aufzuspießen. Und die meisten Kolleginnen und Kollegen folgen bewusst oder unbewusst der Erwartung des Arbeitgebers, Neues, das nicht für PR oder Propaganda geeignet ist, unter Verschluss zu halten. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Das ist sicherlich die eine oder andere Überlegung wert, wie das (die Abschließung) funktioniert. Das heißt, es wird hier wenig oder gar nicht mehr darüber nachgedacht werden, wie sich im alltagspraktischen beruflichen Handeln, politische, sozialpsychologische Konzepte heimlich und unheimlich umsetzen.

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Written by schau

28. Februar 2020 at 17:13

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Digitalisierung – Förderprogramm für die Industrie

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Zu befürchten: Beeinträchtigung der Denkfähigkeit

Es gibt weiterhin keinen Grund, von der Digitalisierung der Schule eine Verbesserung der Lernleistungen zu erwarten. Dazu schreibt Ralf Lankau in der FAZ

Written by schau

7. Oktober 2019 at 17:01

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Französische Kulturschaffende auf der Seite der Gelbwesten

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Meinungsbekundung mit Risiken

Ich verlinke auf diesen Artikel, weil er bei dem einen oder anderen helfen mag, die Gelbwesten nicht länger als gewaltbereite rechtgestrickte Horde zu sehen. Es gehört zur Normalität der hiesigen Kultur- und Medienszene, sich für „Europa“ stark zu machen, gegen Putin und Trump zu sein, aber von den sozialen und menschenrechtlichen Problemen zu schweigen, die hierzulande zu nennen wären; nicht jede’r kann und mag die Abwesenheit wirtschaftlicher Sicherhheit, die steigenden Mieten, die Lohndrückereien, die Zementierung der Herkunft als Voraussetzung für Bildungserfolg als Impuls für kreative Lösungen sehen.

Indirekt und offen beteiligen sich die „Pro-Europäer“ daran, die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ – egal, wie erfolreich oder erfolglos sie am Ende sein mag – verächtlich zu machen. Dafür wird eine erstaunliche intellektuelle Schärfe aufgebracht. Dieses Rudelverhalten strahlt auf Schule und Bildung aus und verstärkt die Neigung, in dieser Institution Anpassung zu produzieren, statt Analyse, Aufklärung, Urteilskraft und Emanzipation.

Dass es auch anders gehen kann zeigt der Aufruf zahlreicher Kulturschaffenden in Frankreich. Eine Ermutigung und ein Beispiel dafür, dass es möglich sein kann, Bevölkerungsgruppen vor Diffamierung zu schützen. Mindestens, den Versuch zu unternehmen. Ein Versuch, der die Unterzeichner’innen vielleicht Aufträge kosten kann, wenn sie auf schwarze Listen der Kulturindustrie geraten.

Written by schau

11. Mai 2019 at 14:37

Nachtrag zum Beitrag »Handschrift« vom 11.4.2019

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Durch Zufall stieß ich auf einen anregenden Artikel zum Thema Handschrift

Written by schau

12. April 2019 at 19:30

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Fundamente der Gesellschaft geraten ins Rutschen

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Egoismus der Wenigen – Zerstörung der Lebensgrundlagen der Vielen

Was als unzusammenhängende, schicksalhafte Chaotisierung gesellschaftlicher Verhältnisse erscheint, hat seine Ursachen in einer Wirtschaftspolitik, deren Priorität es ist, alle Lebensbedürfnisse zu einer Quelle von Profit zu machen. Wie eine Religion durchdringt diese Denkweise unser Leben. Ein Problem der Bildung und Aufklärung. Helfen können dabei ein frischer Artikel in der Süddeutschen und ein älterer.

Written by schau

12. April 2019 at 16:28

Bildung käuflich

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Aufstieg durch Bildung ist ein schönes Versprechen.

Viele Generationen haben daran geglaubt. Manchmal hat es funktioniert. Aber nie anhaltend. Und die so genannten Eliten haben es immer wieder verstanden, sich neue Orte und Gelegenheiten der Rekrutierung ihresgleichen zu verschaffen. Die USA, Modell und Vorreiter der Wertegemeinschaft, der auch wir angehören sollen, hat nun ein Beispiel von Exzellenz geliefert, wie dieSüddeutsche gestern schrieb.

In der gleichen Ausgabe fand sich ein Bericht, der leider hinter der Paywall liegt, aber in seiner Überschrift das Wesentliche zum Ausdruck bringt.

Hier geht es zum abstract der Fachzeitschrift, die von der Süddeutschen zitiert wurde.

Written by schau

11. April 2019 at 19:35

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