Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Archive for the ‘Allgemeines’ Category

Aus dem Leben eines Berufsverbandes

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Psycholog’inn’en sind anfällig für die Verführung der Macht

So viel vorweg: Der hier verlinkte Artikel bezieht sich auf die amerikanische APA, für deutsche und internationale psychologische Berufsverbände wohl eine orientierende Größe. Sie war allerdings vor einigen Jahren in Verruf geraten, weil sie sich an Folterprogrammen beteiligt bzw. darin verwickelt war. Dieses Thema wird in dem Aufsatz noch einmal aufgenommen.

Interessant ist der Aufsatz aber noch aus anderen Gründen. Er beschreibt die Verstrickung eines Berufsverbandes mit den politisch Mächtigen. Demgegenüber missachtet er die eigene Fachlichkeit und ethische Grundsätze. So geht die Unabhängigkeit der Beratung verloren. Diese Frage taucht für den hiesigen Praktiker und die hiesige Praktikerin auf, (wenn er/sie es noch bemerkt) wenn er/sie dafür für Organisationen und Behörden für die Umsetzung einer bestimmten Politik eingesetzt sind.

Anschmiegung kann Karriere fördern und vielleicht sogar Stellen. Zu welchem Preis?

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Written by schau

29. Oktober 2018 at 13:48

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Herkunft und Status der Eltern definieren Chancen

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Alle Jahre wieder

Wie verkümmert muss das Verantwortungsgefühl von Politikern und sonstigen Verantwortlichen sein (einschließlich der im Schulsystem Beschäftigten, denen die Kinder doch anvertraut sind), wenn sich diese Meldungen Jahr für Jahr wiederholen?

Herkunft und Status der Eltern definieren Chancen (zum Nachhören)

Auf derselben Seite finden sich weitere Links zum Thema.

Auf den Nachdenkseiten findet sich darüber hinaus ein Zitat aus einem OECD-Papier, das ein Licht auf die OECD wirft.

„Um das Haushaltsdefizit zu reduzieren, sind sehr substanzielle Einschnitte im Bereich der öffentlichen Investitionen oder die Kürzung der Mittel für laufende Kosten ohne jedes politische Risiko. Wenn Mittel für laufende Kosten gekürzt werden, dann sollte die Quantität der Dienstleistung nicht reduziert werden, auch wenn die Qualität darunter leidet. Beispielsweise lassen sich Haushaltsmittel für Schulen und Universitäten kürzen, aber es wäre gefährlich, die Zahl der Studierenden zu beschränken. Familien reagieren gewaltsam, wenn ihren Kindern der Zugang verweigert wird, aber nicht auf eine allmähliche Absenkung der Qualität der dargebotenen Bildung, und so kann die Schule immer mehr dazu übergehen, für bestimmte Zwecke von den Familien Eigenbeiträge zu verlangen, oder bestimmte Tätigkeiten ganz einstellen. Dabei sollte nur nach und nach so vorgegangen werden, z.B. in einer Schule, aber nicht in der benachbarten Einrichtung, um jede allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung zu vermeiden.“

Hat also auch die OECD selbst nicht mit dazu beigetragen, dass das deutsche Schulsystem – höflich formuliert – bestenfalls suboptimal funktioniert?

So etwas dürften die meisten nicht von der OECD erwartet werden.

Written by schau

29. Oktober 2018 at 13:29

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Zurück in die Zukunft?

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Wir kratzen an der Oberfläche, wir reden und schreiben uns die Finger wund, nichts wird besser

Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir das, was uns bewegt und schiebt nicht oder nur ungenau verstehen. Der Artikel von Cornelia Koppetsch im Merkur könnte helfen zu erfassen, was gerade geschieht.

Der Artikel ist frei zugänglich. Man sollte sich mit weiteren Beiträgen im Merkur beschäftigen.

Korrekturen an Artikeln

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Der erste Teil des Büchleins „Zwischen Unabhängigkeit und Ordnungsfunktion“ enthielt zahlreiche Schreibfehler und Formulierungsschwächen. Ich habe ihn nun überarbeitet und damit – hoffentlich – lesbarer gemacht.

Written by schau

13. September 2018 at 11:06

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Die Psychologie lässt den Menschen im Stich

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So kann man die Antworten Nora Rucks in einem Interview mit dem Freitag vom 5.7.2018 deuten

Psychologie und Psychotherapie lassen Menschen im Stich, indem sie in aller Regel von den gesellschaftlichen, sozialen Entstehensbedingungen von Krankheiten absehen und diese – die gesellschaftlichen Bedingungen – nicht diagnostizieren (oder sie unter den Tisch fallen lassen). Allein dem Individuum wird die Verantwortlichkeit für seine Besserung „aufgehalst“, möglicherweise unter Verschweigen  dieser „unmöglichen“ Verkürzung um die Gesellschaftlichkeit des Menschen. Die Gesellschaft und der soziale Rahmen werden nicht angetastet. Damit werden Psycholog’inn’en und Psychotherapeut’inn’en zu stabilisierenden Helfern der Institutionen.

Der Text liegt hinter einer Bezahlschranke, so dass ich nicht auf ihn verlinken kann. Vielleicht mag sich jemand am Kiosk oder an der Bahnhofsbuchhandlung den Freitag kaufen. (Freitag.de)

Hier noch ein Link zu Nora Ruck

Written by schau

7. Juli 2018 at 10:53

Moralische Verletzung durch Militarisierung

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Intervention und Krieg sind weder ein Kinderspiel noch ein Abenteuer – sie erhöhen die Risiken für Suizid und Deformierung der Persönlichkeit

Die Bereitschaft, sich an kriegerischen, waffengestützten Interventionen zu beteiligen, ist amtliche Regierungspolitik. Die sogenannte Verteidigung soll nun den Kitt liefern, das systematisch auf Erosion angelegte, wertebasierte, westliche, neoliberale Projekt Europa zusammenzuhalten.

Die Folgen einer Militarisierung der Gesellschaft –  verletzte Seelen für das Leben der einzelnen Menschen und für die Gesellschaft – werden heruntergespielt oder verschwiegen. Die Bundeswehr macht sich immer mehr an Schulen und Jugendliche heran, um die Personalprobleme einer Interventionsarmee in den fernen Welten Afghanistans, des pazifischen Ozeans oder Afrikas zu lösen.

Schon die Vorbereitung auf kriegerische Auseinandersetzungen und die PR-Arbeit für den Dienst an der Waffe setzen alles daran, die notwendige „Desensibilisierung“ für ein erfolgreiches Interventionsgeschäft zu verschleiern. Es braucht Feindbilder, woran Medien und Politiker’innen intensiv arbeiten, es braucht Überzeugungen, die naiv davon  ausgehen, „wir“ seien die Guten und hätten alles Recht, das Böse und die Bösen zu bekämpfen.

Erleben Soldat’inn’en die militärischen Schläge, denen sie selbst ausgesetzt sind oder denen der Feind ausgesetzt ist, stellen sich nicht selten schwere Persönlichkeitsveränderungen ein – auch bei den „Sieger’inne’n“. Von Suizidraten bei Veteran’inn’en, die höher liegen als in der Normalbevölkerung, handelt der Bericht des US-Journalisten Will Porter, der auf den Nachdenkseiten erschien. Auch staatlich sanktionierte Gewalt beschädigt die Psyche und vergiftet das Klima. Sie ist eine schlechte Begleitung für Friedenserziehung und Persönlichkeitsentwicklung.

„Moralische Verletzung geht über das Physische hinaus und fragt, wer wir als Menschen sind“, sagt Peter Van Buren, ein früherer Mitarbeiter des State Department im Auswärtigen Dienst. „Es beinhaltet, dass wir in der Lage sind, Richtig und Falsch zu unterscheiden und dass wir uns selbst verletzen, wenn wir dazu nicht in der Lage sind. Wir fügen uns selbst Narben zu, genauso, als hätten wir uns mit einem Messer verletzt.”

Written by schau

3. Juli 2018 at 15:22

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Digital ist nicht die Lösung

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Bundesregierung und Landesregierungen

machen es sich einfach: Mit der nahezu vollständigen Gleichsetzung von Digitalisierung und Bildung/Zukunftsgestaltung lenken sie von der Bedeutung persönlicher Beziehung und der Bedeutung von Zeit für Bildung ab. Wenn man den finanziellen und propagandistischen (Entschuldigung: PR-) Aufwand sieht, wird man zum Ergebnis kommen können, dass es sich bei der Aktion um eine Wirtschaftförderung handelt.

Nun soll es ein „Festival für digitale Bildung“ geben. Kein Scherz. Der technokratische Lernbegriff will sich den guten Klang, des Wortes „Festival“ einverleiben. Welche Psychologen und PR-Berater waren da am Werk?

„Das Bündnis für humane Bildung“ leistet Gegenwehr und veranstaltet zum Thema einen Kongress.

 

Written by schau

2. Juli 2018 at 23:12