Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Archive for the ‘Bildungspolitik’ Category

Wenn Widersprüche unangesprochen bleiben, leiden Denken und Fortschritt

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Plädoyer für eine offensive Aufklärung

Debatten über die Ausgestaltung unserer Gesellschaft führen nicht selten zu Pattsituationen. Die politischen Gegner verhaken sich in ihren Argumenten, die eisern mit ihren grundsätzlichen Positionen verknotet scheinen. Die „Einheitsschule“ und die „Elitenschule“ schimmern bei schulischen Debatten rasch hervor. Unausgesprochen werden exemplarisch Debatten geführt, die in die große Abteilung des Streits um Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein, um Herrschaft und Unterwerfung, um Teilhabe und Nichtteilhabe, um Chancen und Chancenlosigkeit, um Gleichheit und Ungleichheit geführt werden. Jenseits des Lagerstreits scheint es keine Bewegung geben zu können. Wobei man doch meinen könnte, dass es eine Mehrheit geben sollte, die von der Schule für alle profitieren können sollte. Den Rest des Beitrags lesen »

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Written by schau

1. April 2018 at 16:25

Nachdenken über Gesellschaftsblindheit in der Psychologie

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Heiner Keupp animierte mich mit seinem Vortrag und Aufsatz »Das verlorene Selbst der Psychologie. Für die Überwindung der Gesellschaftsblindheit« zu einem eigenen Text. Der drohte mir aus den Fugen zu geraten, steht hier nun aber doch bereit, um gelesen zu werden.

Nachdenken über Gesellschaftsblindheit

Bildungsarmut – und wer profitiert?

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Gepflegte Atmosphäre im Auditorium der Hafencity-Universiät. Kühler, sachlicher Beton, die Längsseite besitzt eine lange und hohe Glasfront. Weltoffenheit, wie die Architekten sie uns vorführen. Der Blick schweift über die Elbe, zu den Elbbrücken und zu den Hafenanlagen. Die Hafencity, ein am Reißbrett entstandener Stadtteil, mit Bürogebäuden und Wohnungen. Überwiegend im hochpreisigen Segment. Die Wände sind kahl, keine Parolen, keine Aufrufe. Die versammelten Expert’inn’en sprechen ruhig, wie vor einem Konzert. Das Thema: Illusion Chancengleichheit. Wer bleibt im Bildungswesen auf der Strecke?

Es handelt sich um die 8. Konferenz zur sozialen Spaltung in Hamburg. Von der Spaltung bekommen wir hier und bei der Anreise im Stadtteil nur eine Seite mit. Ein Ort der Geldanleger  und der Vermarktung moderner Stadtpolitik. Von der anderen Seite der Spaltung erfahren wir, wenn wir von den dunklen Seiten missratener Schulstrukturpolitik und von den Anstrengungen der Lehrer’inn’en und Helfer von Fördereinrichtungen hören. Und von der Ungeduld gegenüber einem „Weiter so“ der akribischen Datensammlungen, die immer wieder die tiefer reichende Spaltung feststellen, ohne dass politische und schulpolitische Richtungsänderungen folgen. Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft Soziales Hamburg.
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Der Verlust des Selbst der Psychologie II

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Versuch einer Illustrierung

Die Entwicklung schulischer Inklusion in Hamburg kann zum Teil als Illustrierung des im vorangehenden Beitrag (über Keupp) dargestellten Verlusts des »Selbst der Psychologie«, des Verlusts an Empathie und der Ausbreitung von »Gesellschaftsblindheit« (»soziale Amnesie«)gesehen werden.

Inklusion ist das dominierende Projekt der Politik. Mit ihm sollen alle Gebrechen einer exkludierenden Gesellschaft geheilt werden (siehe auch diesen Beitrag). Unter Verkennung der menschlichen und psychologischen Anforderungen, die ein solches Unternehmen der Zu(sammen)gehörigkeit in Verschiedenheit erfordert, werden Verfahren entwickelt, die mit großem Aufwand Abgrenzungen, Ausgrenzungen und Etikettierungen produzieren, wie man aktuell in der taz lesen kann.

Beratung ist vor und nach dem Test

Angehörige von Abteilungen, die das Wort „Beratung“ in ihrer Bezeichnung führen, sind wesentlich damit beschäftigt, begutachtend, steuernd und kontrollierend tätig zu sein. Sie stellen den Förderbedarf so genannter „Inklusionskinder“ fest. Beratung wird hier offensichtlich als Verarbeitung dessen verstanden, was vor oder nach der Testdiagnostik stattfindet. Was bleibt, ist, dass „Beratung“ über den Test, eine kommende oder gewesene Prüfung definiert ist. Mit dieser Art der Feststellungsdiagnostik sind wir wieder in der Etikettierungsmaschinerie der 60 er und 70 er Jahre des vergangenen Jahrhunderts angekommen. (Bei angehenden Lehrer’inne’n geht man übrigens — zurecht — davon aus, dass eine Eignung für ein Lehramt testdiagnostisch nicht zu vertreten ist. So die Empfehlungen der Expertenkommission zur Reform der Lehrerbildung).
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Written by schau

26. Januar 2018 at 18:58

Folgen der Privatisierungen im Bildungswesen

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Erfahrungen, auch internationale, mit Privatisierungen im Bildungswesen − und ihren zumeist unangenehmen Folgen

Hier geht es zum Artikel und zum Südwind-Magazin

Written by schau

13. Dezember 2017 at 12:28

Veröffentlicht in Bildungspolitik, Demokratie

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Einige Anmerkungen zu einer schulpsychologischen Zeitschrift

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Die Sektion Schulpsychologie im Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen gibt eine Zeitschrift »Praxis Schulpsychologie« heraus. Aufmachung und Inhalte lassen einen ins Grübeln kommen, wer da mit einem „spricht“ und wozu.

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Die Inklusionslüge

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Buchbesprechung. Uwe Becker. Die Inklusionslüge, transcript-verlag, Bielefeld 2016

Inklusion ist seit einigen Jahren das Thema, das Schulen, Lehrer/innen und Eltern auf Trab hält. Aber auch Schulverwaltungen und Kommunen. Gestartet wurde „die“ Inklusion mit Euphorie und einem moralischen Überschuss, der bis heute anhält. Gleichwohl macht sich Desillusionierung breit, wenn um Förderstunden gefeilscht wird, die Personalausstattung immer wieder knapp ist. Derweil wollen uns Schulverwaltungen und Ministerien glauben machen, dass eben diese Rechen- (und Kürzungs) Kunststücke Inklusion seien. Während es in Schule diejenigen gab und gibt, die in Inklusion den Schlüssel zum Aufbau einer humanen Schule sahen, sahen sich in den Verwaltungen die Meister und Ingenieure der Effizienz- und Kürzungspolitik auf den Plan gerufen.

Inklusion als Teil des gesellschaftlichen Kältestroms

Politik erweckte den Eindruck , mit der Inklusion breche nun eine neue Epoche der Gültigkeit von Menschenrechten, der Demokratie und sozialer Geborgenheit an. Lehrer/innen, Eltern und Schulverwaltungen versinken derweil im Streit um Stunden, erleben Vermessungsmarathons und Überforderungen. Schulberater und Schulpsychologen wurden eingesetzt, um Förderbedarfe zu messen, damit es gerecht zugehen möge. Dass ein solidarisch(er)es Zusammenleben mit Haltungen, Kritik und Selbstkritik, mit Reflexion der Rahmenbedingungen unserer sozialen Existenz zusammenhängt, spielt in der neoliberalen Inklusionspraxis keine Rolle. Die so genannte Inklusion ist durch und durch ein Instrument der fortschreitenden sozialen Kälte.

Das legt das ausgezeichnete Buch von Uwe Becker dar. Er fragt nach, wie es sein kann, dass Inklusion so unberührt vom allgemein gesellschaftlichen Leben mit all seinen exkludierenden Geschehnissen sein kann.

»Die Debatte um Inklusion ist politisch sehr willkommen, denn sie bietet der Politik die Möglichkeit, bestehende Ausgrenzungsdynamiken gesellschaftlicher Realität auszublenden«.

Was in der Gesellschaft und in Schule inzwischen weitgehend ungelegen und störend geworden ist, ruft Becker in seinem Verständnis der Inklusion in Erinnerung: es geht um den  Zusammenschluss von Vielfalt und nicht um den Einschluss in Bestehendes. Bedingungen dafür herzustellen, hieße aber gerade Freiräume zu schaffen, »nach eigener Maßgabe ohne Zugriff eines normierenden Fremdzwangs«.

Hilfreich an dem Buch ist unter anderem, dass Uwe Becker den Finger in die Wunden der Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften legt. Sie allein schon machen auch dem Laien deutlich: Betroffene, Träger, Personal sollen ja keine Ansprüche stellen. Das mit viel heißer Luft auf die Fahrt gebrachte Schiffchen „Inklusion“, zerschellt an den Felsen der Funktionslogik unseres Wirtschaftssystems. Schuldenbremse, so genannte Sparpolitik, Arbeitsmarkt.

Das ist ein Vorzug des Buches: Der Autor streift durch die ganze Gesellschaft und tischt uns die Exklusionen des Inklusionszeitalters auf.

Dieses Buch wirft, wenn man es gelesen hat, Fragen auf: Warum spielen diese Themen bei so wenigen Lehrer/inne/n, bei Leuten, die in der Schulberatung tätig sind, kaum eine Rolle? GEW und Berufsverbände könnten sich an ihnen entlang arbeiten und schließlich dem Normierungszwang etwas entgegensetzen. Stimmt. Das könnte eine Politisierung nach ziehen. Wer will das schon? Keine Zeit? Übrigens: Die Programme für Aufrüstung und Rüstungsexporte laufen wie geschmiert! Geht doch.

Written by schau

17. November 2017 at 16:18