Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Archive for the ‘Kontexte Schule u. Schulpsychologie’ Category

Zurück in die Zukunft?

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Wir kratzen an der Oberfläche, wir reden und schreiben uns die Finger wund, nichts wird besser

Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir das, was uns bewegt und schiebt nicht oder nur ungenau verstehen. Der Artikel von Cornelia Koppetsch im Merkur könnte helfen zu erfassen, was gerade geschieht.

Der Artikel ist frei zugänglich. Man sollte sich mit weiteren Beiträgen im Merkur beschäftigen.

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Nachdenken über Gesellschaftsblindheit in der Psychologie

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Heiner Keupp animierte mich mit seinem Vortrag und Aufsatz »Das verlorene Selbst der Psychologie. Für die Überwindung der Gesellschaftsblindheit« zu einem eigenen Text. Der drohte mir aus den Fugen zu geraten, steht hier nun aber doch bereit, um gelesen zu werden.

Nachdenken über Gesellschaftsblindheit

Sind schulpsychologische Kompetenzzentren ein Ausweg aus der Marginalisierung der Schulpsychologie?

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In Baden Württemberg schon seit einigen Jahren, in Hessen seit kürzerer Zeit, gibt es  »Schulpsychologische Kompetenzzentren«

Im günstigen Fall wären sie ein Ort der Reflexion, des Austausches und auch der Kontroverse. Diese müsste ihren Platz haben dürfen, denn schulische, kommunalpolitische und ministerielle Logiken weisen andere Logiken auf, als die menschlicher und organisationeller Logik. Darüber muss man sprechen und nachdenken dürfen — ansonsten wäre ein Kompetenzzentrum eine weitere Maschinerie zur Umsetzung von Konzepten der Funktionalisierung und Anpassung, sowohl der Psycholog’inn’en, Lehrer’innen und Schüler’innen.
Die Themenpalette und einige Veröffentlichungen auf den Websites der Kompetenzzentren lassen die Hoffnung keimen, dass sie ein Ort der Revitalisierung der Schulpsychologie und der Professionalisierung von Beratung sein könnten.

Zum Kompetenzzentrum Hessen

Zum Kompetenzzentrum Baden-Württemberg

Written by schau

8. Dezember 2017 at 12:52

Berufsverbote mit Langzeitwirkung und stilbildend

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Unter der Bezeichnung kennt sie kaum noch jemand

Wer jünger ist als 50 könne mit dem Begriff „Berufsverbote“ heute wohl nichts mehr anfangen, heißt es in einem Bericht des Deutschlandfunks. Und wenn jemand eine Vermutung dazu äußert, wird der Tatbestand der DDR zugeordnet. Nein, nein. Dieser Tatbestand war reinste BRD-Wirklichkeit, Deutschland-West. Dass dieser schwere Eingriff in die Leben Tausender von Menschen mit Breitenwirkung auf noch viel mehr Menschen heute in Vergessenheit geraten ist, zeugt von der Wirksamkeit einer Politik der Ruhigstellung und Ablenkung. Heute braucht es dafür, kritisches Denken wirkungslos zu machen, keine Gesetze, die in Funktion und Duktus an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern, mehr.

Gelenkte Demokratie, Herstellung prekärer Arbeitsverhältnisse, freundliche Erinnerungen an das, was der Karriere und dem Aufstieg dienlich ist, sorgen für Stille. Sicherlich sind auch ein Maß an „freiwilliger“ Selbstbescheidung, an Glückssuche im Konsum, veränderten psychischen Dispositionen — erworben im lehrenden Leben — von Bedeutung. Die Realität der Marktkonformität hinterlässt auch in den Köpfen und Herzen ihre Spuren. 

Umso erfreulicher, dass es in Niedersachsen eine Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der Berufsverbotepolitik und ihre Folgen gibt, die in nicht allzu fernen Zukunft einen Bericht vorlegen wirde.

Written by schau

27. November 2017 at 17:51

Befreit die Ideologie der Optimierung von einer Erörterung ethischer Fragen?

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Schiefe Ebenen oder alles im Lot?

Wohl keine Psychologin, kein Psychologe, kein Berater, keine Beraterin im Arbeitsgebiet der sozialwissenschaftlich fundierten Beratung würde vermutlich sagen, dass es ethischer Grundlagen in der Beratungsarbeit nicht bedürfe.
Wenn man sich anschaut, wie häufig und wie intensiv ethische Grundlagen der Beratungsarbeit diskutiert oder gar schriftlich behandelt werden, könnte man zu dem Schluss gelangen, es bestünden überhaupt keine Probleme, es gebe keinen Anlass zur Sorge. Dass dem nicht so ist, will ich weiter unten kurz darlegen.

Vermutlich hat die Abwesenheit ethischer Debatten damit zu tun, dass wir es gewohnt sind, ethische Dilemmata oder Konflikte in Verbindung mit den Monstrositäten des Nationalsozialismus oder der Stasi zu sehen; deren Charakter des Einmaligen und Vergangenen wird zudem in der Regel betont – und damit wird, beabsichtigt oder nicht, hervorgehoben, wie gut und gerecht es doch bei uns zugehe. Tatsächlich: So geht es bei uns nicht zu.

Dabei wird gern übersehen, dass es „damals“ „schiefe Ebenen“ gab, die man nicht als Beginn einer rasenden Talfahrt sehen wollte. Wegschauen, Gelegenheit der Karriere, Glaube an Technik und Vermessbarkeit des Menschen ergaben eine Melange, die in die Inhumanität führte. Schließlich gab es kein Halten mehr. Jede Gegenwehr schien zwecklos oder lebensgefährlich.

Täterprofile. Zwei starke Veröffentlichungen von Hans-Peter de Lorent

In kleinem Maßstab habe ich das mit der Geschichte von Hans Lämmermann, dem Mann der als erster Schulpsychologe Deutschlands gilt, herauszuarbeiten versucht. Sehr viel präziser und fundamentaler gelingt es Hans-Peter de Lorent Motive, Verirrungen und Verführungen wichtiger Personen zu beschreiben. Er hat zwei (im wahrsten Sinne des Wortes) schwere Bände mit »Täterprofilen« bei der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg, herausgebracht. Auf jeweils fast 900 Seiten schildert der Autor Lebenswege und Entscheidungen von „Tätern“.
Band 1: Täterprofile: Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz, Hamburg 2016
Und Band 2: Täterprofile: Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945, Hamburg 2017

Im zweiten Band sind zwei Personen vertreten, die von psychologischem Interesse sind, die bundesweit bekannt waren und Einfluss hatten. Da ist Walter Bärsch, der unter anderem die Hamburger Schülerhilfe leitete, Professor der Erziehungswissenschaften und hoch angesehen war. Und da ist von Professor Peter R. Hofstätter die Rede, bis 1968 tätig am psychologischen Institut der Universität Hamburg und Ziel studentischer Proteste in den 1960 er Jahren.

Beide Biografien und viele andere mehr in den zwei Bänden geben Anlass zu der Frage, wie die Voraussetzungen persönlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Art sein mögen, um sich für den Weg der Inhumanität, des Wegschauens, der Liebedienerei und der Duckmäuserei zu entscheiden. Und was es so schwer macht, sich für einen humanen, demokratischen Weg zu entscheiden. Wie ist zu erkennen, dass eine abschüssige Bahn angelegt ist? Was kann Menschen widerstandsfähig machen und bereit, sich gegen erste Zeichen der Inhumanität zu wehren? Immer wieder führt das zu der Frage: Wie hätte ich mich verhalten? Wie wären meine Entscheidungen gewesen und wie ist es mit meiner Entscheidungsfähigkeit bestellt? Den Rest des Beitrags lesen »

Hohes Kränkungspotenzial in Schulen, Universitäten, Hierarchien

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Hier ein interessanter Beitrag vom Deutschlandfunk

Prüf doch mal, wie es in deiner Organisation und Institution aussieht

Written by schau

15. September 2017 at 12:32

»Unsere Kinder sind mehr als ein Wirtschaftsfaktor«

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Bildung in den Qualitätsmedien − ein Artikel von Norbert Häring

Auch die FAZ referiert kritiklos-wohlwollend Forderungen von IW und INSM, ohne jede Andeutung, dass die Bildungspolitik auch noch andere Ziele haben könnte, als beide Elternteile für Erwerbsarbeit frei zu machen und Arbeitskräfte heranzuziehen, die passend ausgebildet und sozialisiert sind. Auch dass Bildungsministerin Wanka die Digitalisierung der Schulen im Zeitplan sieht, ist für die FAZ ein Thema für den Wirtschaftsteil. Die nächste Bundesregierung sollte zur Vermeidung unnötiger Reibungsverluste das Bildungsministerium dem Wirtschaftsministerium zuschlagen – und die Bundesländer sollten ebenso verfahren.