Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Archive for the ‘Meinung’ Category

Spielräume der »Machtunterworfenen« im unwirtlichen Gelände der Beratung (II)

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Die Zeit für Alternativen ist reif – die Menschen sind am Ende

Was ich im vorangehenden Beitrag geschildert habe, sind Folgen des unternehmerischen Denkens, wie es in Folge der neoliberalen Wende – Derugulierung, Privatisierung, Kürzung, Konkurrenz – zur Doktrin wurde. Damit machte man die Welterklärung und -gestaltung einfach. Alles Handeln und Gestalten geschehe dann effektiv, wenn man es in die Form eines Geschäfts, eines Deals, also einer Ware brachte. Dieses Schmalspurdenken ist nur dann eine Lösung, wenn man die Wirklichkeit ignoriert. Also ist es keine echte Lösung. Auch dann nicht, wenn man versucht, die Wirklichkeit an den Glauben/die Theorie anzupassen. Ich erspare es mir hier, das weiter auszuführen.

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Written by schau

10. Oktober 2017 at 09:31

Spielräume der »Machtunterworfenen« im unwirtlichen Gelände der Beratung (I)

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Die Lage der Beratung in Hamburg ist seit mehreren Jahren beunruhigend. Weil es mich so beunruhigt, habe das hier noch einmal aufgeschrieben. Im nächsten Beitrag widme ich mich der Frage, ob es Anlass zur Hoffnung gibt, dass die Lage sich bessern könnte. Hoffnung ist da. Wir müssen etwas dazutun und nicht nur Zuschauer/innen sein.

Ein Politiker muss heutzutage den Eindruck vermitteln können, er habe Lage und Laden im Griff. Er oder sie hat es in Vorwahl- und Wahlzeiten so versprochen. Er (oder sie) orientiert sich an den attraktiven und attraktiv gemachten Leitbildern und Führungskonzepten. Einzelpersonen werden idealisiert, ihnen sollen wir uns anvertrauen (gab’s das nicht schon mal – mit wenig überzeugendem Ausgang?). »Wer Leitung bestellt, bekommt sie auch«. Und soll sich hinterher nicht beklagen. So oder so ähnlich die Botschaft des Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz.
Einer seiner getreuesten Gefolgsleute ist der Schulsenator Ties Rabe. Damit müssen wir leben. Getreu seinem Führungsverständnis müssen zwei bis drei zentrale schulische Problemfelder bearbeitet und zum Erfolg geführt werden. Sie müssen so durchgearbeitet herauskommen, dass sie dem Versprechen gemäß sind: Alles im Griff.

Ranking ist kein Entwicklungsmotor

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Umkämpfte Resilienz

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Fertigwerden mit dem Unvermeidlichen?

Angebote und Qualifikationen im sich rasch drehenden Karussell der Nöte und Hilfen up to date zu halten ist nicht einfach. Der Markt scheint immer Neues zu verlangen. Kann ich mich mit „meinem“ Beratungs- und Hilfeangebot noch sehen lassen oder drohe „ich“ mit meinem Profil unter die Räder zu geraten?

Öffentliche Verwaltungen verhalten sich wie Unternehmen, wollen effiziente und preisgünstige Hilfe, um – beispielsweise – mit Lernstörungen, Folgen von Desintegration, Ausschluss, Lebenskrisen, nicht zuletzt hervorgerufen durch politische oder unternehmerische Entscheidungen, fertig zu werden. Wie schon oft zu hören, sei die Welt aus den Fugen geraten.

Seit einigen Jahren wird uns das Konzept der Resilienz als Heilmittel für heimische Vorgänge sozialer Desintegration und für globale Katastrophen, resultierend aus Krieg und Klimawandel, nahegebracht. Dieser Begriff, der aus der Physik stammt und die Biegbarkeit und Festigkeit eines Materials beschreibt, welches unter Belastung nicht bricht, sondern standhält und seine ursprüngliche Form wieder annimmt, findet sich in Therapie und Beratung, in Führungskräftetrainings und Organisationsentwicklungskonzepten. Aber nicht nur dort: Ganze Bevölkerungen und Bevölkerungsgruppen sollen mit den Segnungen von Resilienzkonzepten versorgt werden. Pädagoge/inn/en wie Innen-, Außen- und Verteidigungsminister/innen setzen große Hoffungen auf dieses Konzept. Was kann uns das über die Beratungsszene und über Politikkonzepte sagen?

Fortsetzung als pdf und zum Herunterladen

Written by schau

17. Juli 2017 at 19:29

Schiefe Ebene: Von der Chancengleichheit zur Chancengerechtigkeit

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In der öffentlichen Debatte wurde in den letzten Jahrzehnten der Begriff der Chancengleichheit durch den der Chancengerechtigkeit ersetzt. Damit ist der Skandal verschleiert, dass in diesem Zeitraum sich weder Gleichheit noch Gerechtigkeit entwickelt haben. Allerdings hat der Begriff der »Gerechtigkeit« den „Vorteil“, dass er unpräzise ist, sich aber moralisch, anspruchsvoll und erhaben anhört. Hans-Günter Rolff macht in der Neuen Deutschen Schule darauf aufmerksam. Die Gleichheit ist danach die Voraussetzung für Gerechtigkeit.

Im gleichen Heft gibt es noch weitere Artikel zum Thema.

Begibt man sich mit diesem Thema auf eine Zeitreise in die 1960 er und 1970 er Jahre und wieder zurück in die Gegenwart wird man das Gefühl nicht los, dass auf jeden Fall die sprachliche Kreativität eine ernorme Entwicklung durchlaufen hat, ohne dass sich an der Chancengleichheit oder Durchlässigkeit des Bildungssystems irgendetwas Entscheidendes geändert hätte.

Alle scheinen aktiv wie die Ameisen, immer geschäftig. Immer unterwegs mit neuen bahnbrechenden Modellen, Untersuchungen und Beweisführungen. Es gibt die kontextsensible Schulentwicklung. Aus Problemen wurden Herausforderungen und herausfordernde Lagen.

Was ist Zweck und Ziel der Aktivitäten in Politik und Behörden, in Gewerkschaften und Kollegien? Ist der (womöglich falsche) Begriff nicht vielleicht der Versuch der Verschleierung obszöner Verhältnisse und der Anbiederung, eine Überlebenskunst in herrschenden Verhältnissen zwecks Leugnung von Komplizenschaft und beschämender Ohnmacht? In dieser Begriffshuberei sehe ich eine Form der Selbstberuhigung, schließlich ist doch so viel Produktivität und Vielfalt ohne Substanz nicht denkbar, oder? »Ein rasender Stillstand« möchte man mal wieder sagen.

Wohin der Tanker fährt, scheint die Ameisen nicht zu interessieren; zudem sind sie geschichtsvergessen. Vielleicht wissen sie noch nicht einmal, dass sie sich auf einem befinden.

Ein Bildungsproblem – oder doch eher Meinungsmache?

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Bedenkenswert. Was nicht der Rede wert ist

Hm. Da stimmt doch was nicht. Gerade war Wahl in Hamburg. Die SPD ist mit Olaf Scholz an der Spitze Wahlsiegerin. Herzlichen Glückwunsch! Und doch hat die SPD 2,7 Prozent verloren. Macht nach dem jetzigen Stand 45,7 Prozent aus (Zahlen laut Abendblatt). Es gab Kommentatoren, die die SPD damit nahe 50 Prozent sahen … Grübel, grübel. In allen vorherrschenden Medien wurde Olaf Scholz als Wunderknabe bejubelt. Hm. Erwähnt wurde nicht bis fast gar nicht, dass er und seine Partei doch 2,7 Prozent verloren hatten. Und dass die Linkspartei ein Plus von 2,1 Prozent zu verzeichnen hatte, schien niemandem der Rede wert. Sie wurde weitgehend ignoriert, anders als die FDP und die AfD.

Written by schau

16. Februar 2015 at 22:13

Veröffentlicht in Meinung

Wie geht es der Schulpsychologie in Niedersachsen?

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Der Charakter von Schulpsychologie und Beratung ändert sich. Zu sehen ist das auch in Niedersachsen. Volker Bohn schreibt darüber:

Meine These: Eine Reihe von Arbeitsfeldern, die noch bis in die 1990er Jahre hinein wesentlich von Schulpsychologie in Niedersachsen entwickelt und gestaltet worden sind, ist inzwischen großenteils als Pädagogische Beratung wiederzufinden: Förderdiagnostik/Lernstörungen, psychosoziale (Entwicklungs-)Störungen, Qualifizierungsprojekte für Schulleitungen und Schulentwicklungsberatung

Um nicht der „Zwangsberatung“ verdächtigt zu werden, reklamiert Pädagogische Beratung demzufolge ähnlich wie die Psychologische Beratung „Unabhängigkeit, Freiwilligkeit und Verschwiegenheit“ für sich. Allerdings eben nur „ähnlich“: Anders als die Psychologische Beratung ist sie in den schulfachlichen Dezernaten in der Schulverwaltung eingegliedert(*FN* Nach anfänglichem Zögern ist dann auch die Schulentwicklungsberatung mit einbezogen worden, also in die auch fachlich weisungsabhängige Verwaltungshierarchie.

Written by schau

27. Mai 2013 at 22:28

Beratung zwischen Subjektstärkung und Optimierungszwängen

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Die Zeiten ändern sich – und mit ihr die Schulberatung, wie ich in meinem neuen Aufsatz Steuerung optimiert – Beratung und Subjekt tot? zu zeigen versuche. Obwohl es in vielerlei Hinsicht „aufs Subjekt ankommt“, soll es gemäß Standards funktionieren. Und mit ihr die Schulberatung. Zumindest mancherorts. Wachsamkeit ist angesagt.

Nicht nur Schule, sondern auch die ihr nachgelagerte Schulberatung steht unter Veränderungsdruck. So widersprüchlich, schlecht vorbereitet und umgesetzt die Reformen erscheinen mögen, verfolgen sie doch einen Zweck. Sie sind Stationen der Wende zur unternehmerischen Schule, die wie ein Betrieb geführt wird. Die »Employability« am Markt soll der Zweck von Schule sein, nicht der den Menschen »bildende« Prozess im Sinne von Verstehen und kritischer, eigenständiger Urteilsfähigkeit. Den Rest des Beitrags lesen »

Written by schau

7. Mai 2013 at 19:29