Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Archive for the ‘Scham’ Category

Bildung als Entmündigung

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Man staunt – und mag nicht glauben

wie weit die Entmündigung durch Lernen schon fortgeschritten ist. Ministerien, Gewerkschaften, das große Publikum – WIR – nehmen es hin. Wir sind schon so an unsere Wirkungslosigkeit gewöhnt, dass wir die Übergriffe nicht merken, geschweige denn uns dagegen wehren. Von wegen Selbstwirksamkeit. Wir fürchten uns vor unserer eigenen Scham, die uns angesichts unserer Ohnmacht befällt, befallen würde, wenn wir uns denn wehren würden. Das Schweigen erspart uns die Scham – erstmal zumindest. Wenn das dicke Ende gekommen ist, werden wir fragen: Wie konnte das passieren?

wie die modernen online-Lernmodelle Selbstbestimmung unterlaufen

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Written by schau

20. Juli 2016 at 11:01

„Aus der Welt gefallen“

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so lautete der Titel eines kürzlich  von Götz Eisenberg veröffentlichten Artikels. Es ging darin um eine Nachbetrachtung zum Absturz der German Wings Maschine im März 2015.

„Nimmt man ein Symptom allzu schnell unter Beschuss ohne seine Bedeutung im seelischen Gesamthaushalt eines Menschen begriffen zu haben, bringt man ihn in Gefahr.“

Darum geht es oft genug auch in der schulischen Beratungsarbeit. Jedoch scheint die Neigung, sich der Mühe des Verstehens zu unterziehen, abzunehmen. Zu groß ist der Schrecken und die Überforderung als dass man sie glaubt aushalten zu können. Zu groß sind die Zwänge und Forderungen des Alltags aus Lernzielkontrollen, Inspektionen, Fristen und sonstigen Ansprüchen. Die Neigung nimmt zu, sich für Außergewöhnliches nicht zuständig zu halten. Dabei sind Lehrer/innen, Kolleg/inn/en, Eltern wichtige Brückenbauer zu weitergehender Hilfe. Sie sind Menschen in Not (relativ) am nächsten, wichtige Vertrauens- und Bindungspersonen, die sich nicht vom verzweifelten Menschen abwenden sollten. Das kann eine weitere Kränkung sein, die „das Fass zum Überlaufen bringt“.

Der Valorisierte trägt in sich die Gewissheit, dass die Dinge kommen können und er das Leben und seine Widrigkeiten meistern wird. Wem es hingegen an Zuwendung und verlässlicher Anwesenheit der Bezugspersonen mangelt, der fühlt sich nicht hinreichend sicher genug gehalten und entwickelt anstelle eines Urvertrauens Misstrauen und Angst.

Lehrer/innen und Eltern sowieso sind wichtige Bezugs- und Bindungspersonen für Schüler. Für Schüler oft natürlicher und selbstverständlicher als Experten von außen. Letzere können die Hauptbezugspersonen nicht ersetzen. Sie stellen oft eine wichtige, wenn auch zwiespältige, Verbindung zur Welt (und vielleicht zu wirksamer Hilfe) dar. Aber die Bezugspersonen brauchen Rat und Unterstützung durch Berater/innen bei der Einordnung „merkwürdigen“ und „verrückten“ Verhaltens, um diese Haltearbeit tun zu können, bis ggf. weitergehende Hilfe greifen kann. Oft sind es Ängste der Bezugspersonen, alleingelassen zu werden (wie bei den Verzweifelten selbst), wenn sie nach den Experten rufen, oder wenn sie darauf verweisen, dass sie „das“ nicht leisten könnten. Wir sollten gemeinsam „drin“ und „dran“ bleiben. Supervision und Beratung für die Professionellen hilft dabei.

Das Diagnostizieren, mit dem wir heute so schnell bei der Hand sind und worauf wir uns so viel zugutehalten, erweist sich als ein Instrument, mit dem die Gesellschaft Störungen und Gefährdungen ihres Zusammenlebens gerade nicht zu verstehen lernt, sondern abdeckt, abriegelt und administrativ in den Griff zu bekommen versucht. Diagnosen befriedigen das Ordnungs- und Kausalitätsbedürfnis der Wissenschaft und der professionellen Helfer sowie den Wunsch, in einem bisher undurchschaubaren, chaotischen, gefährlichen, vielleicht auch angstauslösenden Bereich Ordnung zu schaffen durch Einordnen und Klassifizieren: „Aha, das ist es also!“ Diagnosen rücken den Patienten zurecht für den medizinisch-psychiatrischen Apparat und seine Normalisierungstechniken. Vor allem bahnen sie den Weg für die Verschreibung von Medikamenten, woran die Pharmaindustrie ein großes Interesse hat. Unser Anliegen sollte deshalb nicht sein, ein Symptom schnellstmöglich zu beseitigen, sondern den Versuch zu unternehmen, seine Bedeutung aus der Vielschichtigkeit des jeweiligen Menschen und seiner Lebensgeschichte heraus zu verstehen.

Hier geht es zum vollständigen Artikel von Götz Eisenberg

Written by schau

22. Juni 2015 at 17:36

Sozial- und Arbeitsmarktpolitik als Schwarze Pädagogik

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10 Jahre HARTZ IV – wie  Rotgrün die Republik veränderte

Die schwarze Pädagogik, in der Kindererziehung verpönt, hat Hartz IV also bei erwachsenen Menschen wieder eingeführt. Das Gesetz hat wieder eingeführt, was das Bundesverfassungsgericht abgeschafft hat: Der Betroffene steht in einem besonderen Gewaltverhältnis zum Staat; er ist mehr Untertan als Bürger, er ist Objekt von staatlichem Paternalismus.

Hier der vollständige Kommentar von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung

Über die Verrohung der Gesellschaft in Zusammenhang mit HARTZ IV

schreibt  Christoph Butterwegge ebenfalls in der Süddeutschen

Eine kleine Übersicht zu Ergebnissen der Bildungsforschung

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Written by schau

29. Oktober 2012 at 18:40

"Das lohnt sich nicht" – oder das Risiko des Lernens

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von Jürgen Mietz

Diesen Satz hörte ich, als ich nach Gespräch, Test und ersten Vorschlägen der Mutter eines Erstklässlers und ihm selbst sagte, dass sie sich nun auf den Weg machen könnten. Er komme dann noch gut zur dritten Stunde in der Schule an. Aber die Mutter, der ihr Kind nicht egal ist, sagt: „Das lohnt sich doch nicht.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Written by schau

28. Mai 2009 at 20:37