Nachdenkseiten der Schulpsychologie

Ein Blog für Schulpsychologie und Bildung von Jürgen Mietz

Posts Tagged ‘ethik

Befreit die Ideologie der Optimierung von einer Erörterung ethischer Fragen?

leave a comment »

Schiefe Ebenen oder alles im Lot?

Wohl keine Psychologin, kein Psychologe, kein Berater, keine Beraterin im Arbeitsgebiet der sozialwissenschaftlich fundierten Beratung würde vermutlich sagen, dass es ethischer Grundlagen in der Beratungsarbeit nicht bedürfe.
Wenn man sich anschaut, wie häufig und wie intensiv ethische Grundlagen der Beratungsarbeit diskutiert oder gar schriftlich behandelt werden, könnte man zu dem Schluss gelangen, es bestünden überhaupt keine Probleme, es gebe keinen Anlass zur Sorge. Dass dem nicht so ist, will ich weiter unten kurz darlegen.

Vermutlich hat die Abwesenheit ethischer Debatten damit zu tun, dass wir es gewohnt sind, ethische Dilemmata oder Konflikte in Verbindung mit den Monstrositäten des Nationalsozialismus oder der Stasi zu sehen; deren Charakter des Einmaligen und Vergangenen wird zudem in der Regel betont – und damit wird, beabsichtigt oder nicht, hervorgehoben, wie gut und gerecht es doch bei uns zugehe. Tatsächlich: So geht es bei uns nicht zu.

Dabei wird gern übersehen, dass es „damals“ „schiefe Ebenen“ gab, die man nicht als Beginn einer rasenden Talfahrt sehen wollte. Wegschauen, Gelegenheit der Karriere, Glaube an Technik und Vermessbarkeit des Menschen ergaben eine Melange, die in die Inhumanität führte. Schließlich gab es kein Halten mehr. Jede Gegenwehr schien zwecklos oder lebensgefährlich.

Täterprofile. Zwei starke Veröffentlichungen von Hans-Peter de Lorent

In kleinem Maßstab habe ich das mit der Geschichte von Hans Lämmermann, dem Mann der als erster Schulpsychologe Deutschlands gilt, herauszuarbeiten versucht. Sehr viel präziser und fundamentaler gelingt es Hans-Peter de Lorent Motive, Verirrungen und Verführungen wichtiger Personen zu beschreiben. Er hat zwei (im wahrsten Sinne des Wortes) schwere Bände mit »Täterprofilen« bei der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg, herausgebracht. Auf jeweils fast 900 Seiten schildert der Autor Lebenswege und Entscheidungen von „Tätern“.
Band 1: Täterprofile: Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz, Hamburg 2016
Und Band 2: Täterprofile: Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945, Hamburg 2017

Im zweiten Band sind zwei Personen vertreten, die von psychologischem Interesse sind, die bundesweit bekannt waren und Einfluss hatten. Da ist Walter Bärsch, der unter anderem die Hamburger Schülerhilfe leitete, Professor der Erziehungswissenschaften und hoch angesehen war. Und da ist von Professor Peter R. Hofstätter die Rede, bis 1968 tätig am psychologischen Institut der Universität Hamburg und Ziel studentischer Proteste in den 1960 er Jahren.

Beide Biografien und viele andere mehr in den zwei Bänden geben Anlass zu der Frage, wie die Voraussetzungen persönlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Art sein mögen, um sich für den Weg der Inhumanität, des Wegschauens, der Liebedienerei und der Duckmäuserei zu entscheiden. Und was es so schwer macht, sich für einen humanen, demokratischen Weg zu entscheiden. Wie ist zu erkennen, dass eine abschüssige Bahn angelegt ist? Was kann Menschen widerstandsfähig machen und bereit, sich gegen erste Zeichen der Inhumanität zu wehren? Immer wieder führt das zu der Frage: Wie hätte ich mich verhalten? Wie wären meine Entscheidungen gewesen und wie ist es mit meiner Entscheidungsfähigkeit bestellt? Den Rest des Beitrags lesen »

Werbeanzeigen

Gewissensfragen der Schulpsychologie und Schulberatung

leave a comment »

GewissensfragenZu den Gewissensfragen (als Print) und hier als epub

Written by schau

7. Februar 2016 at 19:12

Die neoliberale Domestizierung der Sozialen Arbeit

leave a comment »

Ein Blick in die pädagogische Ethik des Neoliberalismus

In einem Interview stellt Matthias Heintz anschaulich und mit einem ausführlichen Beispiel dar, wie das, was Hilfe sein soll, in einen demütigenden und frustrierenden Kreislauf mündet. Hilfebedürftige werden hin-und hervermittelt, unter anderem, um die Illusion aufrechtzuerhalten, es gebe einen Sozialstaat, der fördert und deshalb auch fordern dürfe.

gut zu erkennen etwa in dem Dogma der Agenda 2010: Fördern und Fordern. Wobei sich das Fördern offenbar auf die Lernhilfe für nicht leistungswillige oder -fähige Menschen im Hinblick auf das Erlernen der funktionalen An- und Einpassung in das Regelwerk eines marktorientierten Systems bezieht. In der duldsamen und schweigenden Unterordnung finden wir die Maxime der pädagogischen Ethik des Neoliberalismus.

Die Profession sieht Matthias in einem miserablen Zustand

Insofern finden wir insgesamt jüngere Generationen vor, die sich, so sozialisiert, im Wesentlichem kaum mehr kritisch verhalten können oder aber kaum die Anstrengung kritischer Auseinandersetzung auf sich nehmen wollen bzw. können. Sie kennen häufig überhaupt nur noch die Bedingungen und entsprechende Deutungsmuster einer, wie Kanzlerin Merkel es so treffend bezeichnet hat „marktkonformen Demokratie“.

Dennoch und deswegen gibt es Widerstand

Hier geht es zum Artikel auf den Nachdenkseiten. Lesenswert. Bleibt noch die Frage: Wie steht es um Schule und Beratung für Schule?

Psychologen helfen bei Folter

leave a comment »

Wie ein Bericht der Süddeutschen zeigt, sind die ethischen Grundlagen psychologischen Handeln von enormer Bedeutung, wenn eben dieses Handeln nicht in einem Fiasko enden soll. Die Debatten müssen auch im Bereich Schule und Schulpsychologie geführt werden. Psycholog/inn/en sind mit verantwortlich dafür, ob und wie die Adressaten selbständige und mündige Persönlichkeiten werden und ob Adressaten  andere darin unterstützen, dass sich Menschen in diese Richtung entwickeln. Schule ist ein Raum, in dem sich grundlegende Haltungen entwickeln können oder nicht, in ihm erfahren wir viel darüber, wie die Welt ist und wie und wer wir in dieser Welt sein wollen.

Die Gründe, warum es überhaupt zur Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium gekommen war, sind laut APA-Bericht banal: Es ging um Geld, um Prestige und Arbeitsplätze. „Das Pentagon beschäftigt seit jeher viele Psychologen, man wollte es sich mit dem prominenten Arbeitgeber nicht verscherzen“, heißt es in dem Bericht.

Dieses Argument ist auch in nicht-militärischen Zusammenhängen geläufig.

Written by schau

4. August 2015 at 14:47

Veröffentlicht in Bildungsverständnis, Demokratie, Subjekt

Tagged with , ,